Bedeutung schwarzes Bandana

Bedeutung schwarzes Bandana

Der Hanky-Code ist ein historisches und kulturell bedeutendes Kommunikationsmittel in der queeren und insbesondere der schwulen Subkultur. Er diente vor allem in der Zeit vor der breiten Akzeptanz von LGBTQ+-Themen als diskrete Möglichkeit, sexuelle Vorlieben, Identitäten und Fetische zu signalisieren. Dabei spielt die Farbe des getragenen Halstuchs (Bandanas) eine entscheidende Rolle. Eine der bekanntesten Farben im Hanky-Code ist Schwarz, und ihre Bedeutung ist sowohl historisch als auch symbolisch vielschichtig.

Ursprung und Entwicklung des Hanky-Codes

Der Hanky-Code wurde in den 1970er Jahren in der schwulen Leder- und BDSM-Szene populär. In einer Zeit, in der offene Kommunikation über sexuelle Präferenzen mit erheblichen sozialen und rechtlichen Risiken verbunden war, bot dieser Code eine subtile, aber effektive Möglichkeit der nonverbalen Kommunikation. Männer (und später auch andere Mitglieder der LGBTQ+-Community) trugen farbige Bandanas in der Gesäßtasche, um ihre Vorlieben zu signalisieren. Die Platzierung des Bandanas – links oder rechts – bestimmte, ob jemand eher aktiv (Top) oder passiv (Bottom) in bestimmten sexuellen Praktiken war.

Die Bedeutung des schwarzen Bandanas

Schwarz ist eine der auffälligsten und bekanntesten Farben im Hanky-Code und steht klassischerweise für S/M (Sadomasochismus). Personen, die ein schwarzes Bandana tragen, signalisieren damit ein Interesse an BDSM-Praktiken, darunter Fesselspiele, Dominanz- und Unterwerfungsdynamiken, sowie Schmerz als Teil der erotischen Erfahrung.

  • Schwarzes Bandana in der linken Gesäßtasche: Bedeutet, dass die Person als „Top“ oder dominante Rolle agiert. Dies kann heißen, dass sie die Kontrolle übernimmt, Befehle gibt oder körperliche Bestrafungen ausführt.
  • Schwarzes Bandana in der rechten Gesäßtasche: Signalisiert, dass die Person als „Bottom“ oder unterwürfige Rolle fungiert und sich dominanten Partnern hingibt.

Die Wahl des schwarzen Bandanas zeigt somit eine bewusste Identifikation mit der BDSM-Community und ein Interesse an intensiveren, oft auch ritualisierten Formen der erotischen Begegnung.

Historische Bedeutung von Schwarz im Kontext von BDSM

Die Farbe Schwarz ist im BDSM-Bereich nicht nur durch den Hanky-Code symbolträchtig. Sie wird allgemein mit Stärke, Autorität, Mysterium und Kontrolle assoziiert. Auch die Ästhetik der Leder-Community – schwarze Lederjacken, Lederhosen und Boots – spiegelt diese Symbolik wider.

Besonders in der schwulen Leder- und Fetischszene ist Schwarz zu einem ikonischen Erkennungszeichen geworden. Schwarze Kleidung, insbesondere Leder, wurde in den 1950er Jahren von homosexuellen Männern als bewusste Abgrenzung von stereotypen Rollenbildern der damaligen Zeit gewählt. Diese Entwicklung fand ihren Höhepunkt in der bildlichen Darstellung der „Lederkultur“ durch Fotografen wie Tom of Finland, dessen hypermaskuline Darstellungen von Männern in schwarzer Kleidung zum Sinnbild dieser Subkultur wurden.

Das schwarze Bandana heute

Auch wenn der Hanky-Code heute weniger weit verbreitet ist als in den 1970er und 1980er Jahren, wird er in bestimmten Kreisen immer noch genutzt – besonders in Fetischclubs, auf Pride-Events oder in BDSM-Dungeons. Dank des Internets und spezialisierter Dating-Plattformen sind direkte nonverbale Signale zwar weniger notwendig geworden, doch viele Menschen tragen nach wie vor schwarze Bandanas als Teil ihrer Identität oder als Verweis auf die Tradition und Geschichte der Szene.

Fazit

Das schwarze Bandana im Hanky-Code ist mehr als nur ein Stück Stoff. Es ist ein Symbol für eine reiche kulturelle und sexuelle Geschichte, ein Zeichen der Zugehörigkeit zur BDSM-Community und ein Mittel zur diskreten Kommunikation über persönliche Vorlieben. Wer ein schwarzes Bandana trägt, sendet damit nicht nur eine spezifische Botschaft, sondern verbindet sich auch mit einer jahrzehntelangen Tradition der queeren Subkultur, die bis heute weiterlebt.

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